Archiv der Kategorie 'Therapiekonzepte'

Aug
07

Ursprünglich vor allem für Schmerzpatienten mit amputierten Gliedmaßen und Phantomschmerz entwickelt, hat sich die Spiegeltherapie inzwischen zu einer Therapieform für viele Schmerzpatienten (häufig auch eine Chance für Sudeck-Patienten!) und auch Schlaganfallpatienten entwickelt.

So funktioniert es:

Ein Spiegel steht senkrecht so vor dem Patienten, dass die kranke, bzw.

nicht mehr vorhandene Gliedmaße hinter dem Spiegel liegt und die gesunde vor dem Spiegel. Der Patient sieht in den Spiegel und sieht auf das Spiegelbild der gesunden Hand. So sieht er auf der eigentlich kranken Seite ein Bild von einer gesunden, gut funktionierenden Hand. Der Therapeut gibt nun verschiedene angenehme Berührungsreize auf die gesunde Hand, oder lässt mit dieser verschiedene Bewegungen durchführen.

Der Patient sieht diese Manipulationen über den Spiegel. Das Bild von der “gesunden” Hand auf der eigentlich kranken Seite und das Fühlen der angenehmen Reize können sich verknüpfen und es bilden sich Spiegelneuronen. Es entstehen wieder Verknüpfungen, die normale und angenehme Empfindungen an Stelle der zuvor immer nur als Schmerz empfundenen Reitwahrnehmung setzen.

Wir arbeiten in beiden Standorten nach dem Konzept der Spiegeltherapie. Selbst im Hausbesuch ist es uns möglich, Spiegeltherapie anzuwenden.

Ariane Häfner

Jun
28

Ergotherapie und Schmerz

Ergotherapie assoziiert man oft mit Selbständigkeitstraining, Bewegungsanbahnung nach Lähmungen, Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit nach Handverletzungen und Operationen oder  Förderung von  Kindern mit Entwicklungsverzögerungen, selten aber mit Schmerztherapie.

Aber nach welchen Konzepten arbeiten wir als Ergotherapeuten in der Schmerztherapie? Gerade mit dem regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) kommen viele Patienten in die Praxis, vermehrt aber auch Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne. Wenn durch Schmerzen die Aktivitäten des täglichen Lebens oder die Selbständigkeit eingeschränkt sind, ist das auch für uns ein Thema. Welche Therapieform wir anwenden, hängt im Wesentlichen von der Art und Weise des Schmerzes ab. Unser Schmerzkonzept besteht aus drei Säulen:

1.HOBS -  Handlungsorientierte Beratung für Schmerzpatienten

Das HOBS ist ein von K. Krohn und H. Spiekermann erstelltes, gut strukturiertes ergotherapeutisches Befund- und Beratungssystem, um das individuelle Schmerzerleben und -verhalten besser zu erkennen und die Patienten auf dieser Grundlage besser beraten zu können.

2. Spiegeltherapie

Die Spiegeltherapie ist eine kognitive Therapiemethode, die bei verschiedenen Schmerzsyndromen angewendete wird, so bei Phantomschmerz bei Amputationen oder beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS). Dabei wird dem Patienten mithilfe eines Spiegels die gesunde Gliedmaße gespiegelt. Nach einiger Zeit interpretiert das Gehirn die Reize so, als wenn Sie vom kranken Körperteil kämen.

Mehrere Mitarbeiter unserer Praxis haben sich in diesem Konzept fortgebildet, so dass alle Patienten adäquat behandelt werden können.

3. Migränetherapie nach Kern

Die Migränetherapie nach Kern ist eine Behandlungsart, eine Therapieform die besonders bei  Migräne hocheffektiv ist. Die Therapie beinhaltet  Bewegungstraining, Wahrnehmungsschulung sowie  Entspannungsverfahren. Kopf- und Migräneschmerzen lassen sich so in den meisten Fällen auf der körperlichen Ebene positiv beeinflussen.  Betroffenen Patienten wird damit ein Lernprozess angeboten, um Schmerzfreiheit zu erlernen.

Auch diese umfangreiche Fortbildung habe einige Mitarbeiter der Praxis mit Erfolg absolviert.

Andreas Bohmann

Jun
14

Seit kurzem können wir Ihnen in beiden Praxen bei Schmerz, Behandlung nach dem Konzept „Migränetherapie nach Kern” anbieten. Dies ist ein ganzheitliches Konzept und zeigt bei sehr vielen Schmerzpatienten eine heilende oder zumindest deutlich lindernde Wirkung. Es kommen verschiedene manuelle Techniken (Massage- und Drucktechniken) an Kopf, Gesicht, Nacken und Schultern und z.T. auch in Reflexzonen, wie Füßen zum Einsatz.

Durch die Belastungen im Alltag sind sehr oft die verschieden Gewebeschichten, Haut, Unterhaut, Muskulatur, Bindegewebe, Knochenhaut und selbst die knöchernen Strukturen verspannt und unbeweglich geworden. Ebenso kann auch die Versorgung eingeschränkt sein was in der Summe zu einem starken Kopfschmerz führen kann. Nach der Befundaufnahme, in der die Stellen und Gewebe mit den deutlichsten Einschränkungen lokalisiert werden, werden diese gelockert und die Durchblutung wird angeregt. Das führt zu einer Entspannung des gesamten Kopfbereiches, was wiederum die schmerzreduzierende Wirkung zur Folge hat.

Die Therapie kann im Akutfall, aber was fast noch wichtiger ist, vorbeugend eingesetzt werden.

Um die Erfolge zu stabilisieren gehören zum Therapieprogramm auch immer Übungen und verschiedenen Entspannungstechniken, die zu Hause allein durchgeführt werden können.

Dieses Konzept ist ein neuer Baustein in der Behandlung von Schmerzpatienten in unserer Praxis. Die anderen Bausteine werden wir Ihnen demnächst hier vorstellen.

Ariane Häfner

Mai
07

HLT Teil 2

Je nachdem, mit welchen Problemen und welchen Zielen ein Patient in die Ergotherapie kommt kann das Hirnleistungstraining sehr vielfältig aussehen:

Bei einem Patienten nach einer leichten Hirnverletzung mit Aufmerksamkeitsstörungen kann unter Umständen sehr funktionell an einer Verbesserung, z. B. mittels Computerprogrammen gearbeitet werden. Wir haben viele Programme, um individuell auf jeden Patienten eingehen zu können. Das bekannteste Programm, das auch in vielen Kliniken eingesetzt wird ist Cogpack von Marker Software (www.markersoftware.com ). Aber auch HLT-Programme von Rigling (www.rigling.de) wie “Garten”, “Vario” und “Trace” stehen in beiden Praxen zur Verfügung.

Ganz anders ist die Therapie bei einem Patienten mit Gedächtnisproblemen oder beginnender Demenz, da hier  keine Verbesserung erreicht werden kann. So könnten, neben der allgemeinen Gedächtnisaktivierung, gezielt die alltagsrelevanten Dinge geübt werden, die der Patient braucht oder Kompensationen und Merkstrategien entwickelt werden. Einem Patienten ist es z.B. furchtbar unangenehm, dass er die Namen nahe stehender Personen  immer wieder vergisst. Mit ihm kann in der Ergotherapie ein Fotobuch erstellt werden, in dem er einerseits Namen nachlesen (=Kompensation), aber auch gezielt üben kann.

Vor allem bei demenzkranken Menschen steht jedoch die Erhaltung der Selbständigkeit im Alltag im Vordergrund und nicht das Verbessern des Gedächtnisses. Es werden auch zum Training der exekutiven Funktionen unterschiedlichste Spiele, Papier und Bleistift Aufgaben oder handwerkliche Tätigkeiten eingesetzt.

Theresa Allweiss

Apr
30

Teil 1

In diesem Artikel möchte ich beschreiben, was Hirnleitungstraining bedeutet, welche Patienten davon profitieren können und wie wir in der Praxis dabei im Allgemeinen vorgehen.

Der Begriff Hirnleistungstraining beschreibt sich selber sehr gut: es geht darum bestimmte Leistungen des Gehirns zu trainieren. Dabei stehen das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und/oder die sogenannten exekutiven Funktionen im Fokus der Therapie. (Unter dem Begriff exekutive Funktionen sind Fähigkeiten des Planens, Handelns, Problemlösens und der Denkflexibilität zusammengefasst).

Verordnet wird Hirnleitungstraining z.B.  nach Unfällen oder Infarkten, bei psychischen Erkrankungen oder Demenzen. Überwiegend wird es natürlich von Neurologen verschrieben, aber auch Überweisungen von anderen Ärzten sind möglich.

Kommt ein Patient dann zu uns (oder - im Falle eines Hausbesuches- wir zu ihm), ist es uns wichtig klientenzentriert und betätigungsorientiert vorzugehen. Das heißt, wir versuchen den Patienten bei seinen persönlichen Schwierigkeiten im Alltag zu unterstützen und seine Potentiale mit einzubeziehen. So werden mit dem Patienten  Alltagsprobleme analysiert und dann Ziele vereinbart. Es wird in den ersten Therapiestunden ein ergotherapeutischer Befund erstellt, der auf Tests (z.B. Demtec), Assessments (z.B. COPM) oder Beobachtungen (z.B. von Alltagshandlungen) beruht und die Behandlung wird  geplant. Hierbei muss die Prognose, bzw. der Schweregrad der Erkrankung beachtet werden. Denn bei einer fortschreitenden Demenz sind beispielsweise beständige Verbesserungen nicht möglich, dafür aber ein Aktivieren der vorhandenen Fähigkeiten und damit ein Hinauszögern des Krankheitsverlaufs.

Im nächsten Artikel  werde ich noch genauer darauf eingehen, wie eine Therapie aussehen kann.

Theresa Allweiss

Mrz
08

Während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten entwickelt ein Kind viele verschiedene Reflexe. Sie dienen der Entwicklung, der Nahrungsaufnahme oder dem Schutz des Kindes. Einer der bekanntesten dieser Art ist wohl der sogenannte Greifreflex. Berührt man ein Baby in seiner Handinnenfläche, so greift es unweigerlich zu - und das nicht gerade zimperlich.

Im den ersten 6 -9  Lebensmonaten sollten jedoch die meisten dieser Reflexe wieder abgebaut und durch komplexere Bewegungsmuster abgelöst werden. Geschieht dies nicht oder nur teilweise   können sich Probleme bei der weiteren Entwicklung des Kindes manifestieren.

Ein Beispiel aus unserer Praxis: Der 6-jährige Tom kommt wegen Entwicklungsverzögerungen zur Ergotherapie. Unsere Ergotherapeutische Befundung enthält auch  die Reflexabtestung. Dort fiel uns auf, dass unter anderem der asymmetrische tonische Nackenreflex (kurz: ATNR) noch vorhanden ist. Bei dem ATNR geschieht Folgendes: Eine Drehung des Kopfes in eine Richtung löst die Streckung der nun in der Blickrichtung befindlichen Arme und Beine aus, während die gegenüberliegenden Extremitäten sich beugen. Im Säuglingsalter hilft dieser Reflex während dem Geburtsprozess, sowie  bei dem Aufbau der Muskelspannung und der Gleichgewichtsregulation. Wenn er aber erhalten bleibt können sich oft motorische Probleme einstellen (Drehungen am Boden und das Krabbeln fallen hier z. B. sehr schwer). Bei Tom zeigt sich der ATNR auch in der Schule. Er hat große Probleme beim Schreiben die Linien einzuhalten und drückt dabei sehr stark auf.  In der weiterführenden Therapie wird  nun mit Tom ein Reflexhemmungsprogramm durchgeführt. Gezielte Übungen (nach Sally Goddard) werden in der Therapie eingeübt und dann zu hause weitergeführt, um so den erhaltenen Reflex langsam auszuschleichen.

Theresa Allweiss

Mrz
03

Oftmals kommen werden in der Ergotherapie verhaltensauffällige Kinder mit Lernschwierigkeiten behandelt. Hierfür hat sich der verhaltenstherapeutische Ansatz nach Jansen und Streit als besonders hilfreich erwiesen.

Unbewusste Verhaltensanteile von Bezugspersonen wie Eltern, Lehrer oder Therapeuten sind für die Steuerung des Verhaltens des Kindes sehr wichtig. Diese unbewussten Reaktionen erfolgen sehr schnell und werden damit vom Kind sehr unmittelbar - wiederum unbewusst -verarbeitet. Dabei gilt: Je jünger ein Kind ist, desto größer ist der Anteil der unbewussten Informationsverarbeitung. Im Gegensatz zu Erwachsenen orientieren sich Kinder bei Widersprüchen in der Rückmeldung ihrer Bezugspersonen in aller Regel an den nichtsprachlichen Signalen. Erwachsene verhalten sich häufig genau umgekehrt: Sie achten mehr auf den sprachlichen Inhalt und übersehen die nichtsprachlichen Signale. Oft sind die nichtsprachlichen Signale der Eltern entgegengesetzt den verbalen Signalen.

Wenn wir also etwas am Verhalten des Kindes ändern möchten, so setzt dies voraus, dass sich seine Bezugspersonen zunächst ihr eigenes unbewusstes Verhalten bewusst machen. Gleichzeitig ist es auch wichtig das Verhalten des Kindes genauer zu beobachten als es in Alltagssituationen möglich ist, um dessen unbewusste Signale besser wahrzunehmen. Dies geschieht in der Ergotherapie mit Hilfe einer Videoanalyse. Verschiedene Situationen (Spiel-, Lern-, Konflikt-, Planungs- und Kuschelsituation) werden zusammen mit Eltern und Geschwistern aufgenommen. Bei den anschließenden Auswertungsgesprächen mit dem Therapeuten werden Videosequenzen wiederholt angeschaut und besprochen. Dadurch werden den Eltern die eigenen nichtsprachlichen Signale bewusst gemacht und sie nehmen das kindliche Verhalten genauer wahr. Zusammen mit dem Therapeuten erarbeiten die Eltern alternative Reaktionen, die bestimmte Verhaltensmuster beim Kind durchbrechen und so eine Verhaltensänderung bewirken.

Bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten werden nach dem verhaltenstherapeutischen Konzept die Eltern aktiv in die Therapie mit eingebunden und lernen eindeutiger steuernd auf das Verhalten des Kindes einzuwirken. So werden im Fall von Kindern mit Lernschwierigkeiten bestimmte Muster durchbrochen, die das gemeinsame Hausaufgabenmachen erschweren. So kann sich die Situation entspannen. Durch eintretende Erfolgserlebnisse entwickelt das Kind Spaß beim Lernen und wird in seinem neuen Verhaltensmuster bestärkt.

Anja Herrmann

Feb
04

Kleines mit oft großer Wirkung

Eine Therapieeinheit mit einer an Demenz erkrankten Patientin

Ich hole Frau S. aus dem Aufenthaltsraum ihres Pflegewohnheimes ab, wo sie in ihrem Rollstuhl sitzt und eine kleine Puppe in ihrer Hand begutachtet. Sie begrüßt mich mit einem Lächeln und nickt mir freundlich zu. Was sie zu mir sagt, ist leider nicht mehr verständlich. Auch weiß ich nicht, ob sie mich wiedererkennt.

Frau S. ist aufgrund ihrer fortgeschrittenen Demenzerkrankung nicht mehr in der Lage zu laufen, ihre kognitiven Fähigkeiten sind stark eingeschränkt. Sie weiß nicht mehr, dass ein Löffel zum Essen da ist und kann ihn dazu nicht mehr benutzen. Wohl aber weiß sie, dass ein Handtuch gefaltet und glatt gestrichen werden muss und tut dies auch, sobald sie eines in ihre stets aktiven Hände bekommt. Und genau diese Art von Bewegungen, Wahrnehmungen, Gedanken sind es, die in der Ergotherapie aktiviert werden, um erhalten zu bleiben und weiteres Vergessen und Verlernen zu verlangsamen.

Als Einstieg in das 30-minütige Hirnleistungstraining lege ich eine CD mit alten Schlagern ein und zu den Klängen von “In einer kleinen Konditorei” tanzen wir nun sitzend im Takt. Frau S. bewegt ihre Arme selbständig zur Musik und sie beschreibt dabei ein wesentlich größeres Bewegungsausmaß, als sie es sonst  in ihrem Stationsalltag tun würde (was sehr wichtig ist, damit die Gelenke nicht ihre Beweglichkeit verlieren). Sie strahlt. Vielleicht erkennt sie die Melodie.

Als nächstes setzen wir uns an den Tisch, wo ich Frau S. einen Ball zurolle. Sie ergreift und begutachtet ihn und rollt ihn mit Hilfestellung wieder zurück. Verschiedenartigste Bälle rollen so über den Tisch. Zumeist fängt sie diese gut auf und teilweise schafft sie es auch den jeweiligen Ball wieder zurückzurollen. Gefördert wird hierbei ihre Reaktion, Konzentration und als wesentlicher Punkt auch ihre Wahrnehmung - denn jeder Ball fühlt sich anders an.

Von außen mögen diese Tätigkeiten klein, vielleicht sogar nichtig erscheinen. Für Frau S. hingegen sind sie anspruchsvoll und wichtig. Denn sie schafft es mehrere Minuten eine Sache (den Ball) zu fokussieren, während sie sonst schnell abschweift. Dabei wird sie aktiv, bewegt sich zielgerichtet und in höherem Ausmaße als sonst. Zudem tritt sie in Interaktion und erhält über die Bälle und den gemeinsamen Tanz viele neue und altbekannte Wahrnehmungseindrücke.

Theresa Allweiss

Jan
05

Alltagsorientierungstraining praktisch

Einige Erkrankungen, wie Schlaganfall, Hirnblutungen und  psychische Leiden, können sich u.a. auch in fehlender oder mangelnder Orientierung äußern.  Das verunsichert alle Menschen enorm und schränkt die Selbständigkeit enorm ein. In so einem Falle machen wir Alltagsorientierungstraining. Da Herrn A. motorisch nicht eingeschränkt war, war es für ihn das Wichtigste, selbständig einkaufen und spazieren zu gehen.  So haben wir die Umgebung seiner Wohnung von einem Stadtplan auf ein Blatt kopiert und vergrößert. Herr A. zeichnete dann seine Wohnung und die unmittelbare Umgebung mit Einkaufsmöglichkeiten in die Karte ein. Im zweiten Schritt erfolgt die praktische Umsetzung durch das gemeinsame „Erlaufen” genau dieser Strecke mithilfe der Karte. Hinweise auf markante Stellen oder Hinweisschilder erleichterten die Erinnerung. Im Nachgang wurde die Strecke noch einmal theoretisch nachvollzogen. So konnte er sich die Umgebung viel besser vorstellen und merken und ist dadurch sicherer geworden. Mehrmals sind wir einkaufen gegangen, bevor Herr A. sich das selbständig zugetraut hat. Inzwischen hat er seinen Plan immer mit, kann aber alleine einkaufen und spazieren gehen, ist sicherer geworden und sehr zufrieden.

Nun kann das gezeichnete Netz je nach Bedarf des Patienten erweitert werden. Auch das Einkleben von Fotos wichtiger Anlaufstellen wäre denkbar. Damit können sich der Bewegungsradius und damit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben weiter vergrößern.

Katharina Pohl

Dez
15

Ergotherapie für Patienten im Wachkoma

Das Wachkoma (apallisches Syndrom) ist ein Zustand zwischen tiefer Bewusstlosigkeit (Koma) und bewusstem Wachsein. Ursächlich für das apallische Syndrom sind oft Unfälle sowie Wiederbelebung nach einem langen Herzstillstand.

Wachkomapatienten sind nicht ansprechbar, leiden oft an starken Spastiken und Störungen der taktil-kinesthetischen Wahrnehmung, fehlender Sitzstabilität und Kopfkontrolle. Manchmal ist eine künstliche Beatmung notwendig.

Die zwei wichtigsten ergotherapeutischen Behandlungskonzepte bei diesem Patientenkreis sind das Bobath Konzept und die Basale Stimulation. Beide zielen darauf ab, die Körperwahrnehmung zu verbessern oder zu erhalten. Für Patienten, die sich nicht mehr selbständig bewegen können, ist es wichtig, dass sie langsam und nachvollziehbar in andere Lagen und Positionen geführt werden. Jemand, der seinen Körper nicht mehr spürt, erhält mit unserer Hilfe taktile Informationen mit verschiedenen Materialien wie z.B. Stoff (trockene Lappen), Igelball, Bürsten oder auch vibrierenden taktilen Geräten. Weitere Ziele der Behandlung sind, je nach Bedürfnis der Patienten, die Kontraktur- und Dekubitusprophylaxe, Senkung des Muskeltonus, das Umsetzen und unterstützte Alltagsbewegungen (z.B.: mit der Hand des Klienten dessen Gesicht eincremen). Alles geschieht ganz langsam und fest, damit die Bewegung und Berührung nachgespürt, nachvollzogen werden können.

Wir arbeiten in verschiedenen Einrichtungen die auch Patienten im Wachkoma betreuen und pflegen. Dementsprechend haben Mitarbeiter ihre Fortbildung darauf ausgerichtet.

Ina Isabell Kreß

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