Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Aug
03

Sport für Senioren in Berlin

Krafttraining, Gleichgewichts- und Balancetraining und Gymnastik sind wichtige Bestandteile der Kurse im Kurszentrum 65+ in Berlin Lichtenberg. www.kurszentrum65.de

Die demografische Entwicklung zeigt uns, dass die Menschen wesentlich länger leben. Auch sind die „Alten” aktiver und sportlicher. Trotzdem ist ein Rückgang an Mobilität und Beweglichkeit nur bedingt aufzuhalten. Durch unsere Kurse für Seniorensport mit verschiedenen Schwerpunkten bleiben Sie länger aktiv und auch gesund. Entscheiden Sie, welchen Schwerpunkt Sie legen und probieren Sie beispielsweise mal Krafttraining. Der Kraftabbau ist durch das Alter und weniger Aktivitäten vorprogrammiert. Die Zunahme der Kraft ist aber wie bei einem jüngeren Menschen auch durch ein gezieltes Training möglich, selbst im hohen Alter. Der Alltag und Aktivitäten fallen ihnen dann leichter, sie werden aktiver.

Da Stürze auch im Alter eine hohe Rolle spielen, haben wir außerdem  einen Sturzpräventionskurs entwickelt. Damit bleiben Sie aufrecht!!!

Melden Sie sich gleich an: www.kurszentrum65.de , bzw. über info@kurszentrum65.de

Andreas Bohmann

Jul
27

Vergangene Woche fand an meiner Uni die Vorstellung der Bachelorarbeiten der diesjährigen Ergo- und Physiotherapie-Absolventen statt. Jeder der 41 Absolventen hatte 15 Minuten Zeit seine Arbeit vorzustellen, sowie Fragen zu beantworten. Das Programm reichte von Beiträgen zu spezifischen therapeutischen Interventionen, über Arbeiten zur Aus- und Weiterbildung, bis hin zu Vorträgen über Prävention oder Gesundheitsökonomie.

So lauschte ich 2 Tage lang den jungen Forscher und kann jetzt auch aus wissenschaftlicher Sicht bestätigen, wie wirksam Yoga bei Rückenschmerzen hilft und weiß nun, wie ambulant tätige Ergotherapeuten Spiegeltherapie anwenden. Außerdem lernte ich die Dynamik der Burnout-Krankheit kennen und welche Belastungen und Ressourcen für Ergotherapeuten bestehen.

Da ich in einem Seniorenheim arbeite war für mich zudem interessant, wie häufig das Tanzen im Sitzen in Berliner Heimen angeboten wird und, dass diesem Angebot zu 95 % sehr positive Effekte zugeschrieben werden. Es erhöht die soziale Teilhabe der Bewohner, aktiviert und bringt auch  passive Menschen in Bewegung. Eine andere Arbeit bestätigte mir dann auch noch, wie wichtig Bewegung und Sport für Senioren ist, da so die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden gesteigert werden kann.

Weitere Inhalte aufzuführen oder zu erläutern würde den Rahmen des Blogs sprengen, aber ich hoffe einen kleinen Einblick in die sich gerade entwickelnde Forschung der Ergo- und Physiotherapie gegeben zu haben.

Für mich markierte die Veranstaltung den Einstieg in die Semesterferien und regte mich  zum Überdenken meiner eigenen Ideen für meine Bachelorarbeit an (- davon hoffentlich mehr in einem Jahr…).

Theresa Allweiss

Jun
14

Seit kurzem können wir Ihnen in beiden Praxen bei Schmerz, Behandlung nach dem Konzept „Migränetherapie nach Kern” anbieten. Dies ist ein ganzheitliches Konzept und zeigt bei sehr vielen Schmerzpatienten eine heilende oder zumindest deutlich lindernde Wirkung. Es kommen verschiedene manuelle Techniken (Massage- und Drucktechniken) an Kopf, Gesicht, Nacken und Schultern und z.T. auch in Reflexzonen, wie Füßen zum Einsatz.

Durch die Belastungen im Alltag sind sehr oft die verschieden Gewebeschichten, Haut, Unterhaut, Muskulatur, Bindegewebe, Knochenhaut und selbst die knöchernen Strukturen verspannt und unbeweglich geworden. Ebenso kann auch die Versorgung eingeschränkt sein was in der Summe zu einem starken Kopfschmerz führen kann. Nach der Befundaufnahme, in der die Stellen und Gewebe mit den deutlichsten Einschränkungen lokalisiert werden, werden diese gelockert und die Durchblutung wird angeregt. Das führt zu einer Entspannung des gesamten Kopfbereiches, was wiederum die schmerzreduzierende Wirkung zur Folge hat.

Die Therapie kann im Akutfall, aber was fast noch wichtiger ist, vorbeugend eingesetzt werden.

Um die Erfolge zu stabilisieren gehören zum Therapieprogramm auch immer Übungen und verschiedenen Entspannungstechniken, die zu Hause allein durchgeführt werden können.

Dieses Konzept ist ein neuer Baustein in der Behandlung von Schmerzpatienten in unserer Praxis. Die anderen Bausteine werden wir Ihnen demnächst hier vorstellen.

Ariane Häfner

Jun
10


Ende Mai fand der 55. Ergotherapie-Kongress in Erfurt statt. Für mich war es der Erste. Dementsprechend war ich gespannt und nach meinem Eintreffen fast ein wenig enttäuscht. Ich hatte mir solch einen Kongress einfach größer vorgestellt.

Unter dem Leitspruch “Neue Horizonte” fanden zahlreiche Vorträge und Workshops zu verschiedenen Themen statt. Den Einstieg hierzu machte Frank Kronenberg, ein in Südafrika lebender Ergotherapeut, der dazu aufrief,  sich in unserem Beruf mehr global und politisch zu engagieren. Zur politischen Ergotherapie fanden im Verlauf weitere Vorträge statt, die ich aber zugunsten von Beiträgen über moderne ergotherapeutische Ansätze in der Psychiatrie und über pädiatrische oder neurologische Behandlungsansätze vernachlässigte. Unter diesen vielen Vorträgen waren manche mehr oder weniger bereichernd, aber einige inspirierten mich und gaben mir neue Ideen für meinen Berufsalltag und mein Studium.

Ein großes Thema an diesem Wochenende waren technische und multimediale Therapiemedien, wie Bio- oder Neurofeedback und Wii in der Ergotherapie. Auf der Fachausstellung gab es die Möglichkeit, z.B. Neurofeedback kennenzulernen und an sich selber zu testen. Das fand ich besonders spannend, da ich auch einen Workshop zu Neurofeedback besuchte.

Zwischen den Vorträgen waren immer Pausen, so dass man sich mit den ca. 50 Ausstellern von Therapiematerial, Verlagen, Hilfsmittelfirmen und Fortbildungsanbietern bekannt machen konnte. Einen ganz kleinen Eindruck bekommen Sie auf den Fotos.

Ein besonderes Highlight  war jedoch Erfurts beeindruckend schöne Innenstadt, der erhabene Dom und die herrliche Anlage der Zitadelle. Und die herrliche Innenstadt, mit den vielen kleinen Gässchen und netten Cafe´s und Restaurants.

Da im nächsten Jahr der Kongress erneut in Erfurt stattfindet, kann ich nur empfehlen, sich den regen beruflichen Austausch und die Anregungen in diesem schönen Ambiente zu gönnen.

Theresa Allweiss

Jun
03

In einem Seniorenheim in Weißensee fand am Samstag, 29.05.,  eine Fachtagung für Betroffen, Angehörige und Fachpersonal mit der Methode des „Open-Space” zum Thema „Kreativität und Demenz” statt.

In mehreren Räumen wurden Workshops, Filmvorführungen und Vorträge angeboten. Weiterhin stellten sich verschiedene therapeutische Einrichtungen und Vereine vor und präsentierten ihre spezifischen Angebote. Unsere Praxis war ebenfalls mit einem Stand vertreten, an dem von Beginn an ein reges Interesse herrschte. Vor allem unsere Themenkisten zum Biografischen Arbeiten und Arbeitsblätter für das Gedächtnistraining waren bei den Besuchern sehr gefragt. Andere nutzen auch gern unser Angebot, selbst das Flechten eines Korbes auszuprobieren. Es entwickelten sich interessante Gespräche mit Angehörigen und Mitarbeitern anderer Einrichtungen.

Aus unserer Sicht war es ein rundum gelungener Tag, der uns viel Freude machte. Im Anschluss konnten wir noch Bekanntschaft mit dem Therapiehuhn „Ilse” machen, dass sich geduldig streicheln ließ.

Falko Rein

Mai
07

HLT Teil 2

Je nachdem, mit welchen Problemen und welchen Zielen ein Patient in die Ergotherapie kommt kann das Hirnleistungstraining sehr vielfältig aussehen:

Bei einem Patienten nach einer leichten Hirnverletzung mit Aufmerksamkeitsstörungen kann unter Umständen sehr funktionell an einer Verbesserung, z. B. mittels Computerprogrammen gearbeitet werden. Wir haben viele Programme, um individuell auf jeden Patienten eingehen zu können. Das bekannteste Programm, das auch in vielen Kliniken eingesetzt wird ist Cogpack von Marker Software (www.markersoftware.com ). Aber auch HLT-Programme von Rigling (www.rigling.de) wie “Garten”, “Vario” und “Trace” stehen in beiden Praxen zur Verfügung.

Ganz anders ist die Therapie bei einem Patienten mit Gedächtnisproblemen oder beginnender Demenz, da hier  keine Verbesserung erreicht werden kann. So könnten, neben der allgemeinen Gedächtnisaktivierung, gezielt die alltagsrelevanten Dinge geübt werden, die der Patient braucht oder Kompensationen und Merkstrategien entwickelt werden. Einem Patienten ist es z.B. furchtbar unangenehm, dass er die Namen nahe stehender Personen  immer wieder vergisst. Mit ihm kann in der Ergotherapie ein Fotobuch erstellt werden, in dem er einerseits Namen nachlesen (=Kompensation), aber auch gezielt üben kann.

Vor allem bei demenzkranken Menschen steht jedoch die Erhaltung der Selbständigkeit im Alltag im Vordergrund und nicht das Verbessern des Gedächtnisses. Es werden auch zum Training der exekutiven Funktionen unterschiedlichste Spiele, Papier und Bleistift Aufgaben oder handwerkliche Tätigkeiten eingesetzt.

Theresa Allweiss

Apr
30

Teil 1

In diesem Artikel möchte ich beschreiben, was Hirnleitungstraining bedeutet, welche Patienten davon profitieren können und wie wir in der Praxis dabei im Allgemeinen vorgehen.

Der Begriff Hirnleistungstraining beschreibt sich selber sehr gut: es geht darum bestimmte Leistungen des Gehirns zu trainieren. Dabei stehen das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und/oder die sogenannten exekutiven Funktionen im Fokus der Therapie. (Unter dem Begriff exekutive Funktionen sind Fähigkeiten des Planens, Handelns, Problemlösens und der Denkflexibilität zusammengefasst).

Verordnet wird Hirnleitungstraining z.B.  nach Unfällen oder Infarkten, bei psychischen Erkrankungen oder Demenzen. Überwiegend wird es natürlich von Neurologen verschrieben, aber auch Überweisungen von anderen Ärzten sind möglich.

Kommt ein Patient dann zu uns (oder - im Falle eines Hausbesuches- wir zu ihm), ist es uns wichtig klientenzentriert und betätigungsorientiert vorzugehen. Das heißt, wir versuchen den Patienten bei seinen persönlichen Schwierigkeiten im Alltag zu unterstützen und seine Potentiale mit einzubeziehen. So werden mit dem Patienten  Alltagsprobleme analysiert und dann Ziele vereinbart. Es wird in den ersten Therapiestunden ein ergotherapeutischer Befund erstellt, der auf Tests (z.B. Demtec), Assessments (z.B. COPM) oder Beobachtungen (z.B. von Alltagshandlungen) beruht und die Behandlung wird  geplant. Hierbei muss die Prognose, bzw. der Schweregrad der Erkrankung beachtet werden. Denn bei einer fortschreitenden Demenz sind beispielsweise beständige Verbesserungen nicht möglich, dafür aber ein Aktivieren der vorhandenen Fähigkeiten und damit ein Hinauszögern des Krankheitsverlaufs.

Im nächsten Artikel  werde ich noch genauer darauf eingehen, wie eine Therapie aussehen kann.

Theresa Allweiss

Apr
20

Interview: Theresa Allweiss und Andreas Bohmann

Theresa Allweiss: Hallo Andreas, du fährst zum Ergotherapie-Kongress Ende Mai nach Erfurt? Lohnt sich das denn?

Andreas Bohmann: Ja, auf alle Fälle. Ich bin immer wieder begeistert von der Themenvielfalt. Es stehen ca. 80 Vorträge zu vielen Bereichen der Ergotherapie auf dem Programm und auch viele Workshops. Man erhält einen Überblick, wie sich der Berufszweig der Ergotherapie entwickelt. Ich habe meine Ausbildung 1994 beendet. Seitdem hat sich die Ergotherapie enorm weiterentwickelt. Ich kann nicht mehr so arbeiten, wie ich es 1994 getan habe. Und es reicht mir auch nicht, einzelne Fortbildungen zu bestimmten Themen zu besuchen.

Warst du schon mal auf dem Kongress?

Ja, ich war schon häufiger dort, mal in Kassel, Köln oder Leipzig. Ich finde die Atmosphäre auch immer sehr schön, finde den Kontakt wichtig, schaue mir gern auf dem Kongress auch die ganzen Ausstellungen an und komme dann beflügelt zurück. Man trifft viele Ergotherapeuten, kommt ins Gespräch, und kann den Abend in einer schönen Stadt verbringen. Dass er dieses Jahr in Erfurt stattfindet, freut mich besonders, weil ich die Stadt auch sehr mag. Das ist dann immer noch ein Bonuspunkt. Erfurt hat ein wunderschönes mittelalterliches Stadtzentrum, kleine Gassen und viel Kultur.

Welche Vorträge wirst du dir anhören?

Ich freue mich erstmal auf den Eröffnungsvortrag: „Politische Ergotherapie- Gedanken zu einer politischen Ausprägung unserer Berufspraxis” von Frank Kronenberg. Erfahrungsgemäß geben die Eröffnungsvorträge immer neue und interessante Impulse.  Dann interessieren mich z.B. der Vergleich des Bobath- und Perfetti-Konzepts am fiktiven Fallbeispiel, aber auch Themen wie „ICF in der Frühreha” und „evidenzbasiertes  Arbeiten” oder „Qualitätsmanagement”. Mich interessieren eher die theoretischen Themen.

Und für die Praktiker unter uns gibt es nichts?

Doch, selbstverständlich, da sind u.a. die Workshops sehr empfehlenswert. Es gibt ca. 30 Workshops, z.B. zu den Themen „Planung und Vorgehen bei Tiergestützter Therapie” oder „Händigkeitsdiagnostik” oder „Gesundheitsförderung durch Tanz” oder „Das ergotherapeutische Elterntraining”. Vorträge aus der Praxis sind z.B. „Biofeedback mit Hilfe der Spielekonsole ‚Wii’” oder „Betätigung bei Kindern nach schwerer Hirnschädigung”  oder „Das HoDT Konzept”. Bei 80 Vorträgen ist für jeden etwas Interessantes dabei.

Und wo finde ich das ganze Programm?

Am einfachsten auf der Internetseite www.kongress.dve.info . Dort kannst du auch alle andern Informationen nachlesen. Ich empfehle Dir aber, dich schnell zu entscheiden. Bis 25. April gibt es nämlich noch den Frühbucherrabatt. Du wirst es nicht bereuen, das garantiere ich Dir. Man muss da einfach mal dabei gewesen sein.  Und Erfurt bietet sich für uns wegen der Nähe zu Berlin besonders an.

Wenn ich deine Begeisterung höre, macht mich das wirklich neugierig. Ich schaue mir das Programm mal genau an. Vielleicht sehen wir uns ja dann in Erfurt.

Ja, das würde mich freuen!

Apr
01

Wir wünschen Ihnen ein paar erholsame freie Tage und ein schönes Osterfest mit gutem Wetter!

Vor dem Hintergrund der vorangegangenen Diskussion über notwendige Therapien für Kinder empfehlen wir Ihnen: basteln Sie mit Ihren Kindern und unternehmen etwas mit ihnen, nutzen Sie die Zeit für Fahrradtouren oder andere Ausflüge, bei denen Ihre Kinder sich viel bewegen.

Um Ihnen die erblühende Natur schmackhaft zu machen, haben wir noch ein paar Blumen ausgestreut.

Das Team der Ergotherapiepraxis

Mrz
25

Im Tagespiegel vom 16.März 2010 stand, dass die Anzahl der Ergotherapie und Logopädie bei Kindern eklatant zugenommen haben. (http://www.tagesspiegel.de/berlin/Schule-Therapie;art270,3058147)  Innerhalb eines Jahres wurden Steigerungsraten bis 24% erreicht. Jedes vierte Kind in Berlin erhält nach  Schätzungen des Verbandes der Berliner Kinderärzte vor der Einschulung Logopädie oder Ergotherapie.

Wie sehen wir Therapeuten das? Was könnten die Ursachen für diesen enormen Anstieg der Therapieverordnungen sein?  Drei Ergotherapeuten aus der Praxis habe ich um ihre Meinung gebeten.

Anja Herrmann: Ich finde es erstaunlich dass, die Verordnungsquote  von Ergotherapie und Logopädie innerhalb eines Jahres so hoch gegangen ist. Woran das genau liegt finde ich schwer zu sagen. In meiner Fortbildung zur „ sensorischen Integration”  äußerte R. Schaefgen folgendes sinngemäß: „ Vor 20 Jahren hatten die Kinder einen Bewegungssektor von über 10 km, auf dem sie sich erproben und austoben konnten. Heute dürfen sie meist gerade um den Hausblock alleine laufen.”  Ich denke, dieses Zitat zeigt deutlich, dass sich unser ganzer Lebensstil geändert hat. Die Kinder haben deutlich weniger Möglichkeiten sich selber zu erproben, bekommen zu Hause  oft weniger Inputs um im Haushalt zu helfen und somit auch Fertigkeiten zu entwickeln. Zudem kommt, dass meist viel Fernsehen geschaut wird und Computerspiele genutzt werden, statt ein gemütliches Gemeinschaftsspiel in  der Familie zu machen. Der Fortschritt moderner Spielkonsolen zeigt auch deutlich die Entwicklung in dieser Richtung. Es wird den Bürgern glaubhaft gemacht, dass diese Aktivitätsspiele die tatsächliche Bewegungserfahrung ersetzen kann. Dabei ist dies nicht so. Es ist eine ganz andere Körpererfahrung Kegel mit einer richtigen Kugel umzustoßen als virtuell.

Theresa Allweiss: Erst einmal war ich doch verblüfft, wie viele Kinder in der Berlin eine Therapie besuchen. Aber wie schon in dem „Tagesspiegel” Artikel ausgeführt, hat sich die Lebenswelt der Kinder in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Gleichzeitig hat sich unser Bildungs- und Erziehungssystem wenig an diese Umstände angepasst. Zusätzliche Programme, die die Entwicklung fördern, gibt es kaum. Kinder, die vermehrt oder abweichende Unterstützung benötigen, laufen Gefahr, im hiesigen Schulsystem unter zugehen. Gleichzeitig steigt jedoch häufig der Druck  in den Familien - geschürt durch Wirtschaftskrise und der Angst vor sozialem, sowie finanziellem Abstieg - wollen sie verständlicherweise nur die beste Ausbildung für ihre Sprösslinge. Das in dieser Situation sehr genau beobachtet wird, wie sich ein Kind entwickelt und bei etwaigen Auffälligkeiten oder Verzögerungen Therapie verschrieben wird, ist für mich nicht verwunderlich.

Andreas Bohmann: Sicher hat Herr Abel, der zitierte Kinderarzt recht, wenn er die veränderten Spielgewohnheiten der Kinder (Play Station, Nintendo, Computer) als eine wesentliche Ursache sieht. Das reicht aber nicht aus, um einen so eklatanten Anstieg innerhalb kürzester Zeit zu erklären. Einen zweiten Grund sehe ich noch in der Vorverlegung des Einschulalters. Früher konnte man Kinder immer zurückstellen, das ist meines Wissens heute deutlich schwieriger.  Ein dritter Grund könnte in den veränderten Einstellungen zu Regeln und Forderungen liegen. Viele Eltern setzen bei ihren Kindern Regeln weniger konsequent durch und stellen kaum noch Anforderungen. Dadurch können die Kinder unbeliebte und schwierige Aufgaben vermeiden und entwickeln sich nicht altersentsprechend. Spätestens vor der Einschulung fallen diese Defizite auf. Den Eltern wird bewusst, dass ihr Kind in der Schule Schwierigkeiten haben könnte, weil es sich dort an Regeln halten muss um zu lernen - und sei es nur dem  Unterricht zu folgen, sitzen zu bleiben oder die Aufgaben zu machen, die die Lehrerin erwartet. Vorher wird dann nach Hilfe gesucht, um dem Kind einen besseren Start in die Schule zu ermöglichen. In diesem Fall bietet sich der verhaltenstherapeutische Ansatz in der Ergotherapie zur Behandlung an. (siehe Blogartikel vom 3. März „Der verhaltenstherapeutische Ansatz in der Ergotherapie”)

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