Für einen Ergotherapeut ist es selbstverständlich: In einem Spiel steckt mehr als reine Unterhaltung.
In jedem Bereich der Ergotherapie werden Spiele eingesetzt, um beispielsweise motorische Fähigkeiten zu verbessern, kognitive Fertigkeiten zu schulen, Wahrnehmungsleistungen zu steigern oder kommunikative Fähigkeiten zu stärken.
Eines der beliebtesten Spiele unserer Branche ist wohl das Solitär. Es ist ein Brettspiel, dass, wie der Name vermuten lässt (solitär ≈ einzeln) allein gespielt wird. Auf dem Spielfeld werden 32 Steine auf 33 Felder verteilt. Das mittlere Feld bleibt frei. Ziel des Spieles ist nun mittels Überspringen möglichst viele Spielsteine vom Feld abzuräumen. Dies erfordert unter anderem Konzentration, vorausschauendes und logisches Denken, sowie das Überblicken des Raumes und der Beziehungen im Raum.
Vorteil dieses Spieles ist seine Wandelbarkeit, die es dem Therapeuten erlaubt, es passend dem Ziel des Patienten anzupassen. So kitzelt ein großes Spielfeld große Bewegungen in Arm und Rumpf hervor, kleine Stecknadeln als Spielfiguren fördern die Feinmotorik, Spielsteine beklebt mit Stoffen und anderen Materialien aktivieren die Oberflächensensibilität, und, und, und.
Nur für die Verbesserung von sozialen und kommunikativen Fähigkeiten ist es für den Ergotherapeuten wahrscheinlich sinnvoller ein anderes Spiel zu wählen. Nichtsdestotrotz ist das Solitär ein echter “Allrounder”, bei dem das „Spielen auf Krankenschein” nicht nur Freude bereitet, sondern auch der Gesundheit und dem Therapieerfolg dienlich ist.
Theresa Allweiss
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Kugelsolitär
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Großes Solitär
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Stecknadeln
Wir wurden schon manchmal angefragt, ob wir Gruppentherapien auch für Kinder anbieten können. In der Praxis im Storkower Bogen haben wir zwei große Motorikräume, die zusammengelegt werden können und sich sehr gut für Gruppentherapien eignen. Aber in welchen Fällen ist Gruppentherapie bei Kindern angebracht? Wann könnte sie für Kinder ein Gewinn sein?
In einer Gruppe ist es eher möglich:
-     die erlernten motorischen Fähigkeiten aus der Einzeltherapie zu integrieren und zu festigen
-Â Â Â Â Â Defizite im psychosozialen Bereich abzubauen, z.B. durch Vermittlung von Erfolgserlebnissen in der Gruppe
-     das Selbstbewusstsein zu stärken und den Umgang mit Stärken und Schwächen zu erlernen
-     die sozialen Kompetenzen generell zu verbessern
-     das Einhalten sozialer Regeln und Grenzen zu üben und damit den Umgang mit und das Lösen von Konflikten zu schulen
-Â Â Â Â Â Kompensationsstrategien aus der Einzeltherapie in der Gruppensituation anzuwenden zur Erweiterung der Konzentrationspanne und Aufmerksamkeitsleistung
-     Konzentration in einer kleineren Gruppe als einer Schulklasse zu üben
Wir empfehlen vor Beginn einer Gruppentherapie die Verordnung von 5-10 Einheiten Einzeltherapie. So können wir die Problematik des Kindes abklären, einen ergotherapeutischen Befund erstellen und ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Nur so kann eine Gruppentherapie auch gezielt ansetzen.
Wir sind sehr offen für Gruppentherapien und würden uns freuen, wenn das Angebot auf Interesse stößt. Eine Gruppe kommt erst ab drei Kindern zustande. Wir achten bei der Gruppenbildung darauf, dass die Kinder zueinander passen.
Andreas Bohmann
Kleines mit oft großer Wirkung
Eine Therapieeinheit mit einer an Demenz erkrankten Patientin
Ich hole Frau S. aus dem Aufenthaltsraum ihres Pflegewohnheimes ab, wo sie in ihrem Rollstuhl sitzt und eine kleine Puppe in ihrer Hand begutachtet. Sie begrüßt mich mit einem Lächeln und nickt mir freundlich zu. Was sie zu mir sagt, ist leider nicht mehr verständlich. Auch weiß ich nicht, ob sie mich wiedererkennt.
Frau S. ist aufgrund ihrer fortgeschrittenen Demenzerkrankung nicht mehr in der Lage zu laufen, ihre kognitiven Fähigkeiten sind stark eingeschränkt. Sie weiß nicht mehr, dass ein Löffel zum Essen da ist und kann ihn dazu nicht mehr benutzen. Wohl aber weiß sie, dass ein Handtuch gefaltet und glatt gestrichen werden muss und tut dies auch, sobald sie eines in ihre stets aktiven Hände bekommt. Und genau diese Art von Bewegungen, Wahrnehmungen, Gedanken sind es, die in der Ergotherapie aktiviert werden, um erhalten zu bleiben und weiteres Vergessen und Verlernen zu verlangsamen.
Als Einstieg in das 30-minütige Hirnleistungstraining lege ich eine CD mit alten Schlagern ein und zu den Klängen von “In einer kleinen Konditorei” tanzen wir nun sitzend im Takt. Frau S. bewegt ihre Arme selbständig zur Musik und sie beschreibt dabei ein wesentlich größeres Bewegungsausmaß, als sie es sonst in ihrem Stationsalltag tun würde (was sehr wichtig ist, damit die Gelenke nicht ihre Beweglichkeit verlieren). Sie strahlt. Vielleicht erkennt sie die Melodie.
Als nächstes setzen wir uns an den Tisch, wo ich Frau S. einen Ball zurolle. Sie ergreift und begutachtet ihn und rollt ihn mit Hilfestellung wieder zurück. Verschiedenartigste Bälle rollen so über den Tisch. Zumeist fängt sie diese gut auf und teilweise schafft sie es auch den jeweiligen Ball wieder zurückzurollen. Gefördert wird hierbei ihre Reaktion, Konzentration und als wesentlicher Punkt auch ihre Wahrnehmung - denn jeder Ball fühlt sich anders an.
Von außen mögen diese Tätigkeiten klein, vielleicht sogar nichtig erscheinen. Für Frau S. hingegen sind sie anspruchsvoll und wichtig. Denn sie schafft es mehrere Minuten eine Sache (den Ball) zu fokussieren, während sie sonst schnell abschweift. Dabei wird sie aktiv, bewegt sich zielgerichtet und in höherem Ausmaße als sonst. Zudem tritt sie in Interaktion und erhält über die Bälle und den gemeinsamen Tanz viele neue und altbekannte Wahrnehmungseindrücke.
Theresa Allweiss