Archiv: Oktober, 2009

Okt
28

Ein Schwerpunkt der Gruppentherapie bei Menschen mit Demenz ist Biographiearbeit. Dazu haben wir als Gesprächsanregung Gruppenkartons zusammengetragen. Diese sind thematisch sortiert und befassen sich mit Themen wie Reisen, Urlaub, Schule, Feiertage, Küche, Kindheit, Berufe u.s.w. Diese Kartons enthalten jeweils lebensnahe Anschauungsobjekte, die zum Fühlen, Anschauen und Riechen einladen. Der Umgang mit alltäglichen Gegenständen und alten Dingen dient der Gesprächsanregung. Nicht wenige Patienten fühlen sich so ermuntert, aus ihrem Leben zu erzählen. Einige sind begeistert, wieder einmal Spiele in die Hand zu nehmen, die sie als Kind gespielt haben. Oder schweres Werkzeug, das sie von früher kennen. Aber auch Küchengeräte aus der „guten alten Zeit” oder neuste Silikonbackformen wecken Begeisterungsstürme oder ungläubiges Fragen. Die Gruppenteilnehmer kommen miteinander in Kontakt und lernen sich besser kennen. In allen Kartons befinden sich außerdem Arbeitsblätter sowie Fotos, Bilder und Liederbücher, um die Stunde abwechslungsreicher zu gestalten.

So gestaltet sich die Biographiearbeit immer sehr lebendig und abwechslungsreich und ist leider meist viel zu schnell vorbei.

Die Fotos geben einen kleinen Eindruck von unserem Material.

Andreas Bohmann

Okt
20

Viele Seniorenheime können wenig (An-)Reize  und Beschäftigung für ihre Bewohner anbieten. Die Pflegekräfte sind zeitlich so sehr in die Pflege eingebunden, dass eine Anregung für Freizeitaktivitäten und Beschäftigung kaum geleistet werden kann. Geringe Mobilität und nachlassende Kommunikationsfähigkeit vermindern die Möglichkeiten der Bewohner, ihren Interessen oder Beschäftigungen nachzugehen. Bewegung, Aktivität und Kommunikation ist aber notwendig für das Wohlbefinden und die Gesunderhaltung.

Die Gruppentherapie soll diese Lücke schließen. Bewährt haben sich Biografiearbeit, Gedächtnistraining sowie körperliche Aktivität und Bewegung und lebenspraktische Handlungen.

Ein Schwerpunkt der Gruppentherapien ist die Biografiearbeit, die wir mit unsern gestalteten Gruppenkisten abdecken. (Dazu nächste Woche mehr)

Musik und Bewegung (bestenfalls in Kombination) motivieren dazu, den ganzen Körper zum Einsatz zu bringen. So wird Bewegung weniger als Anstrengung empfunden, als es sonst im Alltag oftmals der Fall ist. Gerade durch zu wenig Bewegung werden die Bewohner unselbständiger und die Sturzgefahr vergrößert sich. Dem wirken wir in unseren Gruppen entgegen.  Altbekannte Melodien greifen außerdem verschiedene Stimmungen auf und schaffen einen neuen Zugang zum Menschen. So werden bekannte Lieder gemeinsam gesungen oder auch gehört, Schwungtücher genutzt, Rhythmen mit den Händen geklatscht oder „Musikreisen” unternommen.

Das Gedächtnistraining ist gestaltet als Raterunde und dem gemeinsamen Zusammentragen von Wissen und Erfahrungen. Es hilft miteinander ins Gespräch zu  kommen, sich zu erinnern, die Konzentration, Merkfähigkeit, Wortfindung und Flexibilität im Denken zu erhalten oder zu steigern. Dadurch wir auch die Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Alltag gefördert.

Zu guter Letzt spielen auch lebenspraktische Beschäftigungen in der Gruppentherapie eine Rolle. Beispielsweise können die Patienten Kräuter verarbeiten, indem sie diese säubern, zupfen und zerkleinern. Mit wenig Aufwand entsteht so eine Kräuterbutter. Ermöglicht wird hierbei ein nachhaltiges Seh-, Riech- und Geschmackserlebnis, verknüpft mit dem Empfinden, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Weitere Beispiele sind die Herstellung von Marmelade, Salaten oder Kompott.

Pflegeheime und Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz haben die Möglichkeit, Gruppentherapien bei uns zu buchen. Größe, Termin, Häufigkeit und das Ziel werden von der beauftragenden Einrichtung bestimmt. Am Ende des Monats wird dann eine Rechnung gestellt.

Die Heilmittelrichtlinien lassen aber auch zu, dass ein Arzt für seine Patienten in der Einrichtung Gruppentherapie verordnet. Die Gruppengröße ist dann auf 5 beschränkt.

Katharina Pohl

Okt
13

Vergangene Woche wurde die interne Fortbildungsreihe der Ergotherapiepraxis Bohmann mit dem Thema “Verhaltensmodifikation in der Ergotherapie” fortgesetzt.

Ariane Häfner, die Praxisleitung des Standorts Schönstraße gestaltete diesen Abend und gab Einblicke in die verhaltenstherapeutisch-orientierte Arbeit mit Kindern.

Sie erörterte kurz das theoretischen Basiswissen (z.B. Lerntheorie), sowie einige spezifischen Vorgehensweisen und Techniken der Verhaltensmodifikation. Hierbei orientierte sie sich nach dem IntraActPlus Konzept von Jansen und Streit. Zudem gab sie praktische Tipps und Beispiele aus Ihrem Berufsalltag preis und zeigte Ausschnitte einer Videoanalyse, die gemeinsam besprochen wurde.

Videoanalysen können bei Bedarf in der Praxis durchgeführt werden, wobei das Verhalten von Eltern und Kind ausgewertet wird, um bestimmte Verhaltensmuster herauszufinden und diese ggf. zu verändern.

Wenn verhaltenstherapeutische Techniken in die Ergotherapie integriert werden bedeutet dies nicht, dass nun statt Ergotherapie Verhaltenstherapie stattfindet. Es ist vielmehr ein „Handwerkszeug”, damit die Therapie effektiver, stress- und angstfreier gestaltet werden kann. Die Kinder profitieren beispielsweise davon, dass sie mehr Erfolgserlebnisse verspüren oder sich selbstbewusster im sozialen Umfeld bewegen.

Verhaltenstherapeutische Ansätze sind vor allem bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernstörungen, Konzentrationsschwächen oder ADHS sinnvoll.

Theresa Allweiss

Okt
06

Wir schreiben nach jeder Verordnung  an den behandelnden Arzt eine kurzen  Therapiebericht über den Stand, die  erreichten Fortschritte und Ziele der Therapie. (außerhalb des Regelfalls nur einen im Quartal) Diese Therapieberichte können exemplarisch gut Auskunft auf die Frage geben: Was sieht  Ergotherapie konkret aus? Jede Therapie ist natürlich individuell angepasst, wird  also bei anderen Erkrankungen und Patienten ganz anders aussehen. Nur das übergeordnete Ziel der Selbstständigkeit ist gleich. Hier 3 Beispiele von Therapieberichten für Patienten im Seniorenheim:

Bsp 1: Patient mit beginnender Demenz: Die aktuelle Durchführung des Mini-Mental-Status-Tests (MMST) verstärkt die Hinweise auf eine fortschreitende  Altersdemenz.  Die nach dem Umzug in das Wohnheim verstärkt aufgetretene Orientierungslosigkeit und Unsicherheit soll durch die Tagesstrukturierung (Orientierungsgänge in Heim und Umgebung, Kalenderführung) gemindert werden. Ein Tagebuch und die Einrichtung eines Biografiebuches sollen helfen, die eigene Situation einzuordnen und mehr Gesprächsstoff mit der Umwelt zu bieten.

Bsp. 2: Patient nach Schlaganfall:  Herr S.  meistert mit geringer verbaler Hilfestellung den selbständigen tiefen Transfer (Umsetzen) auf die Bettkante und in den Rollstuhl. Eine Sicherheitsstellung ist aufgrund der ausgeprägten Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) dennoch notwendig. Der größte Wunsch des Patienten ist es, mit dem Laufen eine Voraussetzung für die Mitgliedschaft in einer Wohngemeinschaft zu erfüllen. Hierfür sind die Stabilisierung des Rumpfes und die Minderung der Ataxie notwendig. So beinhaltet die Therapie vorwiegend alltagsorientierte ADL-Sequenzen (ADL: Aktivitäten des täglichen Lebens) und Übungen zur Rumpfstabilität, Sequenzierung der Bewegungen und Erweiterung der Standbeinphase. Letztgenannte werden auch Ziele der fortlaufenden Therapien sein.

Bsp. 3: Patient nach Schlaganfall: Ziel der Behandlungen war die Erweiterung des Bewegungsausmaßes, was mit Abduktion: 80° und Anteversion ca. 140° erreicht wurde. Weitere Übungen für Grob- und Feinmotorik, teilweise eingebunden in ein ADL-Training sollen helfen, die motorischen Kompetenzen zu festigen und zu erweitern.

Andreas Bohmann

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